Naturkosmetik und Pflanzen, das passt zusammen, das erwartet man sogar irgendwie, oder? Mein Einstieg in die DIY-Naturkosmetik kam tatsächlich über die Pflanzen, nämlich ein selbst angesetztes Kamillenöl, also ein Mazerat (Kaltauszug) von frischen Kamillenblüten in Olivenöl. Wir haben dieses in einem Kräuterkurs verwendet und daraus dann mit Bienenwachs eine ganz simple Salbe hergestellt. Einfach aber effektiv – und diese Erfahrung hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. So habe ich eigentlich von Beginn an immer auch Pflanzenextrakte in meiner selbstgemachten Kosmetik verwendet. Denn durch sie können wir uns die vielen tollen Eigenschaften der Pflanzen auch für die Haut zu Nutze machen. Je nach Pflanze und Auszugsmittel stehen dabei unterschiedliche Wirkstoffe im Vordergrund, insbesondere die sekundären Pflanzenstoffe, wie Polyphenole, Gerbstoffe, Flavonoide, Glykoside, Salicylate, Säuren, Antioxidantien, ätherische Öle… In den vergangenen Jahren habe ich mich zunehmend damit beschäftigt und die Vorzüge selbstgemachter Pflanzenextrakte zu schätzen und nutzen gelernt.

Warum macht es grundsätzlich Sinn, Pflanzenextrakte in der Kosmetik zu verwenden?

Pflanzen sind von Natur aus mit einer Vielzahl verschiedenster Inhaltsstoffe ausgestattet, die sie z. B. besonders widerstandsfähig gegenüber Witterung oder Sonneneinstrahlung, Schädlingen und Infektionen oder auch attraktiv für bestäubende Insekten machen. Anders als bei Präparaten mit isolierten Pflanzenwirkstoffen, wirken diese in ihrem natürlichen Verbund synergistisch (also sich gegenseitig unterstützend) und sind meist besonders verträglich für uns Menschen. Natürlich macht wie immer die Dosis das Gift und Allergien müssen auch berücksichtigt werden. Aber eins nach dem anderen…

In der Kosmetik ergänzen Pflanzenextrakte ganz wunderbar die positiven Eigenschaften der Pflanzenöle und der modernen Kosmetikwirkstoffe. Gewusst wie, lassen sich so hervorragende, individuell auf die eigenen Hautbedürfnisse Pflegeprodukte herstellen.

Folgende Arten von Pflanzenextrakten können wir selber herstellen:

  1. Ölauszüge(auch Mazerate genannt). In ihnen finden wir alle lipophilen (fettlöslichen) Pflanzeninhaltsstoffe wieder. Sie sind hervorragend für Salben geeignet.
  2. Alkoholauszüge(auch Tinkturen genannt) enthalten sowohl die meisten lipophilen als auch die hydrophilen (wasserlöslichen) Stoffe aus der Pflanze. Mit Alkoholextrakten kann man ein Produkt bei entsprechender Konzentration auch konservieren.
  3. Glyceritebestehen aus Glycerin (und Wasser) und extrahieren fast ausschließlich hydrophile Stoffe, allerdings nicht so effektiv wie Alkohol. Sie eignen sich für Menschen, die auf Alkohol verzichten wollen/müssen (wobei Alkohol zu Unrecht so einen schlechten Ruf hat – aber das ist ein anderes Thema…). Viele käufliche Extrakte sind Glycerite und können anstelle von normalem Glycerin im Rezept verwendet werden (empfohlene Einsatzkonzentration beachten).
  4. Hydrolatewerden durch Wasserdampfdestillation von Pflanzen gewonnen und sind sozusagen die „kleinen Schwestern“ der ätherischen Öle, da sie ihnen in der Wirkung meist stark ähneln, dabei aber viel milder und einfacher anzuwenden sind. In der Kosmetik verwendet man sie als hochwertigen, duftenden Ersatz für schnödes Wasser.
  1.  

Was sind Vorzüge bzw. Nachteile selbstgemachter Pflanzenextrakte gegenüber gekauften?

Ich habe schon relativ bald angefangen, meine Pflanzenextrakte selber herzustellen – zum einen, weil es mir Spaß gemacht hat und zum anderen, weil ich Pflanzenmaterial und Auszugsmittel gerne selber bestimmen wollte. Ich verwende am liebsten Alkoholextrakte für die ganze Bandbreite an Inhaltsstoffen und weil sie – anders als Glycerite – nicht kleben. Außerdem kann ich mit ihnen auch meine Produkte konservieren, das finde ich sehr praktisch. Kaufextrakte hingegen bestehen meist aus Glycerin.

Ein weiterer Vorteil selbstgemachter Pflanzenextrakte ist, dass man sie frisch herstellen und verwenden kann, sodass auch empfindliche Wirkstoffe noch enthalten sind.

Neben diesen vielen Vorzügen gegenüber gekauften Extrakten gibt es auch ein paar Herausforderungen, denn man sollte sich mit den Pflanzen und ihren Inhaltsstoffen gut auskennen. Außerdem sind exotische Pflanzen (wie z. B. Edelweiß oder Kaktufeigen) meist nicht für uns verfügbar. Hier macht es Sinn, auf gekaufte Extrakte zurückzugreifen.

Welche verwende ich besonders gerne und warum?

Mit den Jahren haben sich folgende Pflanzen einen festen Platz bei mir gesichert: Gänseblümchen, Kamille, Mädesüß, Ringelblume (Calendula), Salbei, Schafgarbe, Silberweide und Stiefmütterchen. Sie alle enthalten verschiedene reizlindernde, beruhigende, entzündungshemmende und sebumregulierende Inhaltsstoffe. Meine selbstgemachten wässrig-alkoholischen Extrakte verwende ich hauptsächlich in wasserbasierten Produkten, wie Gesichtstoner, Feuchtigkeitsgel, Mundwasser, Deo-Spray und in geringer Konzentration auch manchmal in Emulsionen. Ölauszüge verwende ich hauptsächlich als Salben-, Balsam- und Massageölgrundlage.

Zum Schluss gibt’s noch ein einfaches Rezept für ein wirksames Mundwasser von mir.Die ausgewählten Pflanzenextrakte sollen antimikrobiell, entzündungshemmend, blutstillend und adstringierend (zusammenziehend) wirken und so die tägliche Zahnpflege unterstützen, den Mundraum sauber halten und frischen Atem schenken.

Wer sich für das Thema interessiert, dem kann ich die Bücher von Ursel Bühring sehr empfehlen, da sie fachlich fundiert und gut recherchiert sind.

Kräuter-Mundwasser selbst herstellen 

Zutaten für 100g

50,0 g  Pfefferminzhydrolat, unkonserviert

40,0 g  Pflanzenextrakte nach Wahl (70 Vol.-%), z. B. Salbei, Melisse, Kamille, Schafgarbe, Ringelblume, Rosmarin (oder unvergällter Alkohol (70 Vol.-%))

10,0 g  Glycerin (oder Pflanzenextrakte auf Glycerinbasis)

Herstellung

Alle Zutaten nacheinander in eine 100-ml-Braunglasflasche einwiegen, verschließen und gut schütteln. Fertig ist das Kräuter-Mundwasser, das sich durch den hohen Alkoholgehalt (ca. 30 % im Endprodukt) selber konserviert. Es ist ca. 6 Monate haltbar.

Anwendung

1 TL Mundwasser in 2-3 Schluck Wasser vermischen und mit dieser Lösung für 60 Sekunden den Mundraum spülen, indem man sie durch die Zähne zieht. Ausspucken.

Vielen Dank Tobias Kahrmann für diesen wunderbaren Gastbeitrag. Tobias befasst sich seit vielen Jahren mit den Themen Naturkosmetik selber machen, Kräuter- und Pflanzenkunde sowie ätherischen Ölen. Mehr dazu auf seinem Blog unter www.tobiaskahrmann.de